Unsere Vereinschronik
Nach den Kriegen 1866 und 1870, an denen bayerische Soldaten teilnahmen, bestand überall der Wunsch, die Kameradschaft aus den Kriegen zu pflegen und der Gefallenen zu gedenken. Aus diesem Grund entstanden damals in vielen Städten und Dörfern Veteranenvereine. So auch in Schöngeising. Am Bennotag 1896 (16. Juni) gründeten 44 Männer, davon 11 Kriegsteilnehmer, den „Krieger und Veteranenverein Schöngeising/Holzhausen“. Gründungsvorstand wurde der Schäfflermeister und Teilnehmer am Krieg 1870, Johann Lindenmüller: Bereits am 27. Juni 1897 konnte unsere erste Fahne geweiht werden. Sie zeigt Christus, den guten Hirten, auf einer Seite und auf der anderen Seite das bayerische Wappen mit Aufschrift: „Mit Gott für König und Vaterland“. Die alte Chronik berichtet: „An dem herrlichen Sonntagmorgen kamen über 90 Vereine mit Taferlbuam sowie ein Bläserchor zur Feldmesse“. Wie bei dem Gründungsmitgliedern finden wir auch bei den „Fahnenjungfrauen“ und Fahnenträgern viele heute im Dorf noch geläufige Namen.
Bis zum Jahr 1933 sind keine weiteren Protokolle mehr vorhanden. (Am 10. April 1904 berichtete die Gemeindeverwaltung an das Kgl. Bezirksamt Bruck, dass als einziger nicht politischer Verein der „Veteranen- und Kriegerverein Schöngeising“ besteht. Als Vorsitzender wird 1904 genannt Johann Lindenmüller; Ausschussmitglieder waren: Joseph Schmid als Sekretär ; Franz Eder als Kassier; August Braumiller als Junker; Donatus Kiener; Leonhard Drexl; Simon Schäufler; Thomas Bals und Georg Huber Bayerisches Staatsarchiv LRA 85015) Jedoch gibt das Kassabuch ab 1904 viele Aufschlüsse über das lebhafte Vereinsleben mit vielen Fahnenweihen und anderen Veranstaltungen. So wurde auch bei der „Leichenfeier S. Königlichen Hoheit Prinz-Regent Luitpold von Bayern“ am 14. Februar 1911 in der „Post“ 14,20 Mark ausgegeben. Auch der Geburtstag des Königs wurde 1917 mit 8 Mark in der „Post“ gefeiert. Von 1920 an machte sich Inflation bemerkbar. Hatte der Vereinsdiener 1918 noch 15 Mark im Jahr verdient, so erhielte er 1923 5000 Mark und 83 Mitglieder zahlten im Juni 1923 einen Halbjahresbeitrag von 124.500 Mark ein. Erst 1924 kehrten wieder normale Verhältnisse ein.
Mit dem Einzug des Nationalsozialismus 1933 wurde der Verein gleichgeschaltet! Der auf dem Namen „Krieger und Kameradschaftverein“ unbenannt Verein hatte ca. 45 Mitglieder und der „Generalappell“ schloss mit einem dreifachen Sieg Heil auf den Führer. Beim 40-jährigen Gründungsfest 1937 wurde nur eine schlichte Feier veranstaltet, wobei im Protokoll ausdrücklich ein gemeinsamer Kirchgang erwähnt ist. Von Sieg Heil ist nicht mehr die Rede, sondern von der Jubiläumsfeier beim Untern Wirt. 1939 war die Mitgliederzahl auf 35 und 1940 auf 28 abgesunken und der „Kreisführer“ aus Fürstenfeldbruck bezeichnete die Schöngeisinger Kameradschaft als die schlechteste in seinem Kreis. Am 22. April 1944 bricht das Protokoll ab.
Erst 7 Jahre nach Kriegsende, im Oktober 1952, schlug der frühere Vorstand Karl Wunderlich vor, einen neuen Verein zu gründen, was dann schließlich am 11. Oktober 1952 mit 35 Mitgliedern verwirklichen wurde. Er war Vorstand bis 1956 und wurde dann von Josef Pentenrieder abgelöst. Bis zum Jahr 1955 erhöhte sich der Mitgliederstand auf 103. Mit der Erhöhung der Mitgliederzahl wuchs die Bedeutung im Dorf und so kaufte der KSV, auch mit Unterstützung der anderen Vereine, 1958 eine neue Salutkanone. Diese steht auch den anderen Vereinen zur Verfügung. Auch früher musste eine Kanone vorhanden gewesen sein, weil seit 1914 immer wieder Ausgaben für Schießer und Pulver eingetragen sind.
Unter dem 1963 amtierenden 1. Vorstand Josef Diebolder wurde 1964 der Vereinsname in In einem Feldgottesdienst auf der Amperinsel und im Beisein von 17 Gastvereinen wurde die Fahne von Pfarrer Schäfer geweiht. Als Anerkennung für hohe Sammlerergebnis für den Volksverbund für Kriegsgräber erhielten wir ein Fahnenehrenband „Mortui viventes obligant“ zu deutsch „Die Toten verpflichten die Lebenden“.
Ab 1980 führte Franz Kohl für zwei Wahlperioden den Verein. In seine Amtszeit fällt auch der Betritt von Militärdekan Pfarrer Hans Feigl als 140.Mitglied. 1984 hat unser Wiedergründungsmiglied, Ehrenmitglied und Schullehrer in Schöngeising, Wolfgang Lohrer nach 32 Jahren seine Aufgaben als Kassier und Schriftführer aufgegeben. 1986 übernahm Joseph Paintner die Leitung des Vereins. Er setzte seine volle Kraft ein, um das 90. Gründungsfest zu feiern. Es war der erste öffentliche Auftritt der neugegründeten Blasmusik Schöngeising. Mit 3 weiteren Blaskapellen und 27 Gastvereinen wurde der Anlass mit Festabend im Moserstadel, Feldgottesdienst auf der Amperinsel und Festzug gefeiert.
Bei der Neuwahl 1996 wählte die Versammlung den noch bei der Bundeswehr aktiven Oberstabsfeldwebel Wilhelm Dodenhoff zum 1. Vorstand. Der Antrag, die Satzung dahingehend zu ändern, dass Frauen und Männer ab 18 Jahren Mitglied im Verein werden können, wurde in der Hauptversammlung 1997 einstimmig verabschiedet.
Der Krieger und Soldatenverein Schöngeising/Holzhausen, ursprünglich ein Traditionsverein für Soldaten und Reservisten, steht nun allen unbescholtenen Männern und Frauen offen, die die Ziele und Aufgaben des Vereins unterstützen. Der Verein ist politisch, ethnisch und konfessionell neutral. Die Ziele und Aufgaben sind kameradschaftlicher und sozialer Natur. Wir wollen die Kameradschaft erhalten und pflegen, unsere Mitglieder an besonderen Festtagen feiern und verstorbene Mitglieder mit Ehren bestatten, wobei zur Zeit noch ein Ehrensalut geschossen wird. Ein besonderes Anliegen ist aber, vaterländische Gedenktage in geeigneter Weise zu gestalten und zu begehen. Dazu gehört auch, der Opfer der beiden Kriege, aber auch der Opfer von Gewalt und Vertreibung, würdig und feierlich zu gedenken, insbesondere am Volkstrauertag an der Kriegerkapelle an der Amperbrücke.
Ein weiteres Ereignis war 1997 das 100-jährige Gründungsfest. In einer ausführlichen Festschrift Festabend im Moserstadel mit Prinz Luitpold von Bayern als Schirmherr, 23 Gastvereinen und 3 Musikkapellen und Feldmesse auf der Amperinsel, wurde das Jubiläum würdig gefeiert.
Die weiteren Jahre verliefen ohne Höhepunkte bis 2002 die 50-jährige Wiederkehr der der Wiedergründung anstand. Mit einer besonderen Ehrung der noch lebenden Wiedergründungsmitglieder Thomas Braumiller, Peter Haid, Ludwig Hartmannsgruber und Wolfgang Lohrer wurde in einer kleinen Feier, Gedenkmesse und Gefallennengedenken am Kriegerdenkmal dieser Anlass begangen.
Bei besonderen Anlässen wird auch unsere erste Fahne von 1897 mitgeführt. Diese war natürlich etwas zerschlissen, aber trotzdem in einem relativ guten Zustand. Es wurde daher beschlossen, die Fahne zu restaurieren. Ein Angebot wurde eingeholt und parallel ein Spendenaufruf an die Mitglieder gerichtet. Dadurch kam der hohe Betrag von 1270 Euro zusammen. Somit konnten wir neben der Restaurierung auch noch ein Fahnenband kaufen. In einer eigenen Festmesse am 14. November 2004 hat Pfarrer Halys die würdige alte Fahne und das Band gesegnet.
Das Gedenken an unsere Toten wird bei der offiziellen Feier am Volkstrauertag, aber auch bei besonderen Anlässen, an der Kriegerkapelle an der Amperinsel begangen. Diese Kapelle war 1917 als „Kriegerkapelle“ von Pfarrer Nett geweiht worden. Darin steht die von Melchior Seidl geschaffene Madonna vom Sieg (1691). Nach Zerstörung der Kapelle bei der Brückensprengung am Kriegsende durch deutsche Truppen – die Madonna war unversehrt erhalten geblieben -, wurde die Kapelle im Gemeinschaftsarbeit 1949 wieder hergestellt und 1967 mit einem Schutzgitter versehen.
Für den Krieger und Soldatenverein Schöngeising/Holzhausen ist es Ehrensache, die Kapelle mit der Madonna zu pflegen, zu reinigen und zu schmücken. Auch viele Reparaturen von Schäden werden kostenlos von Mitgliedern ausgeführt.
Als einer der drei, Ende des 19. Jahrhunderts gegründeten Verein, gehört der Krieger und Soldatenverein zu den festen und wichtigen Traditionen von Schöngeising. Bei allen Festlichkeiten sind die Fahnen und der Marsch der Mitglieder mit dem Festzug ein wichtiger Teil des Dorflebens. Auch unsere Sorge um das Kriegerdenkmal gehört dazu. Die Gedenkfeier am Volkstrauertag mit Ansprache, Kranzniederlegung und Salutschießen beim Lied von Guten Kameraden wird vom KSV organisiert.
Wenn man die Gründungsgeschichte unseres Vereins liest, so findet man viele Namen, deren Familien heute noch im Dorf leben und aktiv und ehrenamtlich tätig sind.
Wir vertrauen fest darauf, dass auch nach Aussetzung der Wehrpflicht noch genügend Menschen kommen, die unserer Toten aus Krieg und Vertreibung gedenken und auch die Soldaten würdigen, die in gutem Glauben für das Vaterland im Einsatz waren. Auch die Pflege der Freundschaft und Kameradschaft, wie es in der Satzung steht, wird nie vergehen. Es ist aber anzunehmen, dass der Krieger- und Soldatenverein seinen Namen ändern wird, wenn die letzten, die die Schrecken des Krieges mitgemacht haben, nicht mehr bei uns sind.
Unsere Vereinsvorstände :
1897 – 1942 Johann Lindenmüller
1942 – 1956 Karl Wunderlich
1956 – 1963 Josef Pentenrieder
1963 – 1980 Josef Diebolder
1980 – 1985 Franz Kohl
1985 – 1986 Johann Friedinger (komissarisch)
1986 – 1996 Joseph Paintner
1996 – 2026 Wilhelm Dodenhoff
Seit 2026 Jürgen Kollmer